Der blinde Hofnarr

Eine Zeit lang untersuchte ich das Porträt des blinden Hofnarren von Diego Velázquez. Ich versuchte herauszufinden, wie hier trotz dieser offensichtlich blicklosen Augen eine Art “Sehen“, ein Präsenz-Raum zustande kam.
Eine Atelier-Nachbarin, die damals an einer Porträtserie, einer Auftragsarbeit, über Hamburgs Senatorinnen arbeitete, besuchte mich. Kaum eingetreten, mit einem Blick auf meine Leinwand, sagte sie überrascht:

„Du hast sie!“

Auf die Frage, wen ich haben sollte, antwortete sie:

„Christina Weiß“.

Sie hatte im Nachbaratelier gerade eine Porträt-Zeichnung der Kultursenatorin des damaligen Hamburger Senats in Arbeit.
Beim Zurücktreten von dem Bild sah ich es selbst.
Es gab einige merkwürdige Überschneidungen: die Ähnlichkeit der Kopfhaltung, aber auch eine große Sensibilität, die hinter der Maske der öffentlichen Person zu vibrieren schien. Das ‘blicklose Sehen’ eine gewisse Art den Kopf zu halten und bestimmte öffentliche Ämter schienen mir plötzlich über Jahrhunderte hinweg miteinander verknüpft zu sein.

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