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Hintergrund

VITA KONTAKT IMPRESSUM
 

Blickräume
Im Jahr 1995 hatte ich die Gelegenheit das Gemälde “Innozenz X” von Diego Velázquez eingehend im Original zu studieren. Das Gemälde hinterlässt auch heute noch – mehr als 300 Jahre nach seiner Entstehung – einen unmittelbaren, extrem verdichteten Eindruck. Es lädt zum Dialog.
Was heißt es ein Mensch zu sein, oder gar ein Papst vor 300 Jahren?
Ausgelöst durch diese Begegnung habe ich mir in den folgenden Jahren im- mer wieder die Frage gestellt: Was sehe ich eigentlich, wenn ich ein Gesicht sehe?
Im Alltag hat die gegenseitige Wahrnehmung funktionalen Charakter.
Es gilt Freund und Feind auseinander zu halten, es gilt Bekannte wieder zu erkennen, soziale Gefüge zu orten und vieles mehr. Dadurch ist die ‘reine Betrachtung’ eines Gesichtes ins Hintertreffen geraten. Zu vieles überlagert den Blick. Der Raum eines Blicks wird kaum mehr erfasst.
Der jeweils spezifische Raum, der durch den Blick eines Menschen erzeugt wird, löst Reaktionen aus. Wenn mich jemand anschaut kann ich mich sehr klein oder sehr groß, angezogen, oder bedrängt fühlen. Der Bezugs-Rahmen verändert sich.
Die Reaktionen sind so vielfältig, wie die Blick-Räume. Diese Räume versuche ich wahrzunehmen und zu erkennen.

 

 

 

 

Konzept

 

 

  Der blinde Hofnarr
Eine Zeit lang untersuchte ich das Porträt des blinden Hofnarren von Diego Velázquez. Ich versuchte herauszufinden, wie hier trotz dieser offensichtlich blicklosen Augen eine Art “Sehen“, ein Präsenz-Raum zustande kam.
Eine Atelier-Nachbarin, die damals an einer Porträtserie, einer Auftragsarbeit, über Hamburgs Senatorinnen arbeitete, besuchte mich. Kaum eingetreten, mit einem Blick auf meine Leinwand, sagte sie überrascht:
„Du hast sie!“
Auf die Frage, wen ich haben sollte, antwortete sie: „Christina Weiß“.
Sie hatte im Nachbaratelier gerade eine Porträt-Zeichnung der Kultursenatorin
des damaligen Hamburger Senats in Arbeit.
Beim Zurücktreten von dem Bild sah ich es selbst.
Es gab einige merkwürdige Überschneidungen: die Ähnlichkeit der Kopfhaltung, aber auch eine große Sensibilität, die hinter der Maske der öffentlichen Person zu vibrieren schien. Das ‘blicklose Sehen’ eine gewisse Art den Kopf zu halten und bestimmte öffentliche Ämter schienen mir plötzlich über Jahrhunderte hinweg miteinander verknüpft zu sein.
 

Konzept




 


Projekt: PERSONALBEFRAGUNG